Dienstag, 26. Juli 2011

St. Nikolaikirche, Potsdam




In der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam steht am Alten Markt die evangelische St. Nikolaikirche. Nach Plänen des Architekten Karl Friedrich Schinkel entstand in den Jahren 1830 bis 1837 ein Zentralbau im klassizistischen Stil. Die weit über die Dächer der Stadt emporragende Kuppel wurde dem sakralen Gebäude in der Zeit von 1843 bis 1850 aufgesetzt. Die Bauleitung übernahm Ludwig Persius und ab 1845 Friedrich August Stüler.

Nach der Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Wiederaufbau ist die Kirche für Besucher täglich geöffnet. Neben regelmäßig stattfindenden Gottesdiensten wird das Gebäude auch gern für Konzertveranstaltungen genutzt.

Die im klassizistischen Stil errichtete Nikolaikirche ist ein Zentralbau mit einer nach Norden ausgebauten Apsis. Der verputzte Sockelbau hat einen quadratischen Grundriss von 30 x 30 Meter und eine Höhe von 27 Metern bis zum Hauptgesims. Vier 45 Meter hohe Türme an den Ecken tragen hinter Rundbogenöffnungen im obersten Geschoss die Glocken. Den Abschluss bilden spitz auslaufende Türmchen, die von 2,80 Meter hohen Engelstatuen des Bildhauers August Kiß bekrönt werden.

Der kubische Bau wird an der südlichen Frontseite durch einen Säulenportikus, eine offene Vorhalle, der Treppenstufen vorgelagert sind, aufgelockert. Sechs kannelierte korinthische Säulen stützen das Tympanon unter dem Satteldach. Die heute freie Fläche dieses dreieckigen Giebelfeldes war vor der Zerstörung 1945 mit einem Relief geschmückt, das Motive aus der Bergpredigt zeigte. Worte aus der Bergpredigt finden sich auch auf einer dreiteiligen Votivtafel an der Außenfassade oberhalb des Portikus wieder. Reliefbilder von vier Engeln mit Palmzweigen trennen die Schriftsätze: Selig sind die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die da hungert und durstet nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. – Siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Unser Wandel ist im Himmel. Von dannen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi dem Herrn. – Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen. Neben je fünf hohen Sprossenfenstern im unteren Teil dominiert im oberen Bereich je ein großes buntverglastes Halbkreisfenster auf der West- und Ostseite.

Auf dem würfelförmigen Unterbau erhebt sich auf dem leicht gestuften Dachansatz die mächtige Tambourkuppel. Der zylindrische Tambour hat eine Höhe von 22,5 Meter und ist von achtundzwanzig korinthischen Säulen umgeben. Durch die dahinterliegenden hohen Fenster fällt, wie durch die Halbkreisfenster im Sockelbau, Licht in den Predigtraum. Der darüber liegende Kranz von Blendfenstern, die durch Pilaster getrennt sind, stellt die Verbindung zur Kuppel her. Die doppelschalige Kuppel mit einem Durchmesser von 24 und einer Höhe von 13 Metern hat eine kupferbedeckte Außenhaut, die durch Segmente und Rundfenster (Ochsenauge) unterbrochen wird. Den Abschluss bildet eine 14,5 Meter hohe Laterne mit Kugel und Kreuz, die dem Gebäude eine Gesamthöhe von 77 Meter gibt.

Querschnitt. Zeichnung von 1853


Der nach außen quadratische Kirchenbau hat im Innern den Grundriss eines griechischen Kreuzes. Mit einer Höhe von 52 Meter bis zum Kuppelscheitel der gemauerten Innenschale nimmt die Tambourkuppel in dem Zentralbau eine gewollt dominierende Stellung ein. Auffällig sind die Medaillons an der Überleitung vom unteren Tambourkreis zum Sockelbau. In den vier Dreiecken, den Pendentifs, werden auf goldglänzendem Untergrund die Propheten des Alten Testaments Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel dargestellt. Die Bildwerke stammen von dem Maler Peter von Cornelius.

Die Verbindung zu Persönlichkeiten aus dem Alten Testament bleibt durch die figurale Gestaltung der vierzehn Nischen über den Fenstern im Tambourrund erhalten: Personen aus der Zeit vor Christi Geburt, die zwischen Gott und den Menschen vermittelten. Die Skulpturen des Noah, Moses, König David, König Salomo und Johannes dem Täufer wurden beim Einsturz der Kuppel 1945 teilweise schwer beschädigt und bis heute als Erinnerung an die Kriegstage nicht restauriert. Alle vierzehn Figuren stammen aus den Werkstätten der Bildhauer Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow. Ebenfalls nicht wiederhergestellt wurde in der Kuppel ein plastisch gemaltes Wolkenband mit im Rund stehenden Engelgestalten und die über allem schwebende Taube als Sinnbild des Heiligen Geistes.

Ein weiteres Zeichen der Kriegszerstörung wird in der Apsis sichtbar. Vor 1945 befand sich in der heute farblos übertünchten Halbkuppel ein Gemälde mit dem thronenden Christus. Die Engel an seiner Seite trugen Palme und Kreuz, die Symbole für Frieden und Erlösung, zu ihren Füßen ein Wolkenband und über allem die Taube. Die Arbeit des Malers Bernhard Wilhelm Rosendahl, der die Apsis nach dem Entwurf Karl Friedrich Schinkels ausmalte, ist nur noch im unteren Halbrund vorhanden. Als Seccomalerei auf goldglänzendem Grund sind in der oberen Reihe die vier Evangelisten mit ihren Symbolen abgebildet, in der unteren die namentlich bezeichneten zwölf Apostel.

Vom Predigtraum aus wird das Gesamtbild durch das Altarziborium unterbrochen. In Schinkels Planung war nur der aus dunklem böhmischen Marmor gearbeitete Altartisch vorgesehen. Auf Wunsch Friedrich Wilhelms IV. ist nach Entwürfen Friedrich August Stülers 1850 der auf vier weißen Marmorsäulen mit vergoldeten korinthischen Kapitellen ruhende Baldachin errichtet worden. Der Architrav zwischen Dach und Säulen ist mit Ornamenten und vergoldeten Engelköpfen auf Medaillons verziert. Die ornamentale Ausschmückung mit Engelfiguren und Engelköpfen findet sich im gesamten Kirchenraum an Kapitellen, Brüstungen und Malereien wieder.

Ein Werk Schinkels, das den Zerstörungen 1945 entging, ist die Kanzel im Chorraum. Nach seinen Plänen schuf der Bildhauer August Kiß Reliefbilder aus Zinkguss mit Motiven aus der Bergpredigt. Von Schinkel nicht geplant ist der auffallend lang in den Raum gezogene Schalldeckel über der Stehfläche, der die Überakustik mindern soll.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen