Dienstag, 26. Juli 2011

Schloss Neuschwanstein



Das Schloss Neuschwanstein steht oberhalb von Hohenschwangau bei Füssen im südlichen Bayern. Der Bau wurde ab 1869 für den bayerischen König Ludwig II. als idealisierte Vorstellung einer Ritterburg aus der Zeit des Mittelalters errichtet. Die Entwürfe stammen von Christian Jank, die Ausführung übernahmen Eduard Riedel und Georg von Dollmann. Der König lebte nur wenige Monate im Schloss, er verstarb noch vor der Fertigstellung der Anlage. Neuschwanstein wurde ursprünglich als Neue Burg Hohenschwangau bezeichnet, seinen heutigen Namen trägt es seit 1886. Eigentümer des Schlosses ist der Freistaat Bayern, es untersteht der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.

Neuschwanstein ist das berühmteste der Schlösser Ludwigs II. und eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Es wird jährlich von weit mehr als einer Million Touristen aufgesucht. Das oftmals als Märchenschloss bezeichnete Neuschwanstein kann besichtigt werden und ist nahezu ganzjährig für Besucher geöffnet. Die Architektur und Innenausstattung sind vom romantischen Eklektizismus des 19. Jahrhunderts geprägt, das Schloss gilt als ein Hauptwerk des Historismus.


Übersicht der Schlossanlage, die Position der geplanten Schlosskapelle ist gelb markiert

Schloss Neuschwanstein besteht aus mehreren einzelnen Baukörpern, die über eine Länge von rund 150 Metern auf der Spitze eines ursprünglich als Jugend bezeichneten Felsenrückens errichtet wurden. Das langgezogene Bauwerk ist mit zahlreichen Türmen, Ziertürmchen, Giebeln, Balkonen, Zinnen und Skulpturen versehen. Die Fensteröffnungen sind in Anlehnung an den romanischen Stil zumeist in der Form von Bi- und Triforien gestaltet. Die Kombination der Einzelbauten vor dem Hintergrund des Tegelbergs und der Pöllatschlucht im Süden und der seenreichen Hügellandschaft des Voralpenlands im Norden bietet aus allen Himmelsrichtungen unterschiedliche pittoreske Ansichten des Schlosses. Es wurde als romantisches Ideal einer Ritterburg entworfen. Anders als „echte“ Burgen, deren Gebäudebestände zumeist das Ergebnis einer oft über Jahrhunderte währenden Bautätigkeit sind, wurde Neuschwanstein als gewollt asymmetrischer Bau in einem Zug geplant und in aufeinanderfolgenden Abschnitten errichtet. Für eine Burg typische Merkmale wurden zwar zitiert, auf echte Verteidigungsanlagen – das wichtigstes Merkmal eines mittelalterlichen Adelssitzes – aber verzichtet.

Die Schlossanlage wird durch das symmetrische, von zwei Treppentürmen flankierte Torhaus betreten. Das nach Osten gerichtete Torgebäude ist der einzige Bau des Schlosses, dessen Wandflächen in kontrastreichen Farben gestaltet sind; die Außenmauern sind mit roten Ziegeln, die Hoffassaden mit gelbem Kalkstein verkleidet. Das Dachgesims ist mit umlaufenden Zinnen abgeschlossen. In dem von einem Staffelgiebel überragten Obergeschoss der Toranlage befand sich die erste Wohnung Ludwigs II. auf Neuschwanstein, der von dort vor der Fertigstellung des Palas’ gelegentlich die Bauarbeiten verfolgte. Die ebenerdigen Geschosse des Torhauses sollten als Wirtschaftsbauten die Stallungen des Schlosses aufnehmen. Der vom bayerischen Königswappen bekrönte Durchgang des Torhauses führt direkt in den auf zwei Ebenen liegenden Hof. Die untere Hofebene wird vom Torgebäude im Osten und dem Sockel des sogenannten Viereckturms und des Galeriebaus im Norden begrenzt, die südliche Seite des Hofs ist offen gelassen und gewährt einen Blick auf die umgebende Berglandschaft. Die westliche Seite des Hofs ist durch eine gemauerte Böschung begrenzt, deren polygonal hervorspringende Ausbuchtung den Chor der nicht realisierten Kapelle samt Bergfried markiert, daneben führt eine Freitreppe zur oberen Ebene.

Das auffälligste Gebäude der Hofebene ist der 45 Meter hohe, sogenannte Viereckturm. Der Bau erfüllt, wie die meisten der Hofgebäude, vor allem einen dekorativen Zweck innerhalb des Gebäudeensembles. Von seiner umlaufenden Aussichtsplattform bietet sich ein weiter Blick über das nördlich gelegene Voralpenland. Die obere Ebene des Hofs wird im Norden durch das sogenannte Ritterhaus begrenzt. Der dreigeschossige Bau ist über eine durchlaufende, mit Blendarkaden gestaltete Galerie mit dem Viereckturm und dem Torhaus verbunden. Im Verständnis der Burgenromantik stellte das Ritterhaus den Aufenthaltsort der Männergesellschaft auf einer Festung dar, auf Neuschwanstein waren dort Dienst- und Wirtschaftsräume vorgesehen. An der südlichen Seite des oberen Hofs befindet sich die ebenfalls dreigeschossige Kemenate, die als Damenhaus das Gegenstück zum Ritterbau bildete, als solches jedoch nie genutzt wurde. Beide Bauten bilden zusammen das Motiv der Burg zu Antwerpen und zitieren somit den ersten Akt von Lohengrin. In das Pflaster der Hoffläche ist der Grundriss der Schlosskapelle eingelassen.

Die westliche Seite des Hofs wird vom Palas begrenzt. Er bildet das eigentliche Haupt- und Wohngebäude des Schlosses, in dem sich die Prunkzimmer des Königs und die Räume der Dienerschaft befinden. Der Palas ist ein mächtiger, fünfgeschossiger Baukörper in der Form zweier großer, im flachen Winkel verbundener Quader, die von zwei aufeinander folgenden hohen Satteldächern bedeckt sind. Die Gestalt des Gebäudes folgt dem Verlauf des Felsenrückens. In seinen Winkeln sind zwei Treppentürme eingefügt, von denen der nördliche mit 65 Metern Höhe das Dach des Schlosses um mehrere Stockwerke überragt. Beide Türme erinnern mit ihren vielgestaltigen Dächern an das Vorbild des Schlosses von Pierrefonds. Die nach Westen gerichtete Fassade des Palas trägt einen zweistöckigen Söller mit Blick auf den Alpsee, nach Norden ragen ein niedriger Treppenturm und die Anlage des Wintergartens aus dem Baukörper. Der gesamte Palas ist mit einer Vielzahl dekorativer Schornsteine und Ziertürmchen geschmückt, die Hoffassaden mit farbigen Fresken versehen. Der hofseitige Giebel wird von einem kupfergetriebenen Löwen, der westwärts gerichtete Außengiebel von einer Ritterfigur bekrönt.

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