Mittwoch, 27. Juli 2011

Mausoleum - Theoderich der Große, Ravenna





Das Mausoleum des Theoderich in Ravenna ist die Grablege des ostgotischen Königs Theoderich, genannt der Große. Das ungewöhnliche Bauwerk, das sowohl von der spätrömischen als auch von der syrischen Architektur beeinflusst ist und das Theoderich der Große im 6. Jhd. n. Chr. vermutlich für sich und die engsten Vertrauten seines Hofstaats hatte errichten lassen, gilt als herausragendste Bauleistung der Ostgoten in Italien.

Der unter dem Namen Anonymus Valesianus bekannte Schriftsteller, der kurz nach Theoderich lebte, schrieb, dass der Gotenkönig „noch zu seinen Lebzeiten sich selbst ein aus behauenen Blöcken zusammengefügtes Denkmal errichtete, für dessen Abschluss er einen riesigen Stein suchen ließ.“ Um 520 wurde das Grabmal auf Anweisung Theoderichs, der in Ravenna seinen Hof hatte, als zukünftiges Mausoleum auf dem Friedhof der Goten-Vorstadt errichtet. Es war vor seinem Tod offenbar jedoch noch nicht vollständig fertiggestellt. Der Name des Baumeisters ist nicht überliefert.

Theoderich war dem Glaubensbekenntnis nach ein Arianer. Als 540 die Byzantiner unter General Belisar Ravenna eroberten und damit der orthodox-katholische Klerus dort die Oberhand erhielt, wurden die Spuren Theoderichs und des Arianismus nach Möglichkeit beseitigt. Der Kampagne fiel auch der Sarkophag Theoderichs zum Opfer, der als der eines „fluchwürdigen Ketzers“ (weil Arianer) aus dem Mausoleum entfernt wurde.

Hauptsächlich aufgrund von Überschwemmungen war der Gruftraum des Mausoleums lange Zeit halb verschüttet gewesen. Er wurde 1918-1919 wieder ganz freigelegt. Bei den Ausgrabungen traten in der näheren Umgebung des Mausoleums antike Mauerreste und andere Relikte zutage, darunter ein goldverzierter Brustharnisch.

Das Mausoleum hat einen zehneckigen symmetrischen Grundriss mit einem Kantenabstand von ca. 4,40 Metern und besteht aus zwei Geschossen.

Der gewölbeförmige Innenraum des Untergeschosses, dessen Decke aus zwei einander durchdringenden, kreuzförmig angeordneten Tonnengewölben besteht, ist der Gruftraum. Der Gruftraum weist innen vier kreuzförmig angeordnete Nischen auf. In einer der Nischen befindet sich die Eingangstür. Das ebenfalls zehneckige Obergeschoss, das nur über eine Außentreppe und eine Brücke zu erreichen ist, beherbergt einen kreiszylinderförmigen Kapellenraum mit einer in seine Ostwand eingelassenen Altarnische.

Nördliche Gruftnische (hinter der Eingangstür links) mit zwei ungleich großen Fensteröffnungen.


Das Deckengewölbe des Gruftraums besteht aus passend behauenen und fugenlos aneinandergefügten Steinblöcken. Die diagonalen Linien sind die Durchdringungslinien zweier kreuzförmig angeordneter Tonnengewölbe.

Die Zwischendecke ruht auf der Gewölbekonstruktion des Untergeschosses, die aus zahlreichen fugenlos zusammengesetzten Steinblöcken besteht und deren statische Stabilität durch Einsetzen des letzten Steins in der Mitte der Zwischendecke gewährleistet wurde. In der Literatur sind Zeichnungen des Baus und seiner Querschnitte angegeben worden.

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