Mittwoch, 27. Juli 2011

Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna





Das Mausoleum der Galla Placidia befindet sich in Ravenna, Italien. Berühmt ist es vor allem – wie die anderen byzantinischen Kirchen und Bauten Ravennas – durch die Wandmosaiken im Innern. Sie sind ausgezeichnet erhalten und stellen die ältesten Mosaiken Ravennas dar. Mit den anderen byzantinischen Bauten in Ravenna gehört das Mausoleum der Galla Placidia seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.

Der Tradition gemäß wurde das Mausoleum als Grabstätte der Kaiserin Galla Placidia, der Tochter von Kaiser Theodosius dem Großen von dieser selbst zwischen den Jahren 425 und 430 n. Chr. erbaut. Die Kaiserin starb 450 n. Chr. in Rom und es ist eher unwahrscheinlich, dass sie in dem Mausoleum beigesetzt wurde: "Es gibt keinerlei Anzeichen, in der kleinen, kreuzförmigen Kapelle das Mausoleum der Kaiserin zu sehen. Es ist vielmehr ein Oratorium des hl. Laurentius, der als Reichsheiliger von Rom hierher übernommen war". Allerdings besitzt das Bildprogramm durchaus Sepulkralcharakter, sodass die Theorie einer Grabkapelle auch nicht widerlegt werden kann.

Innenraum mit der Darstellung des Hl. Laurentius über einem leeren Sarkophag


Ursprünglich war das Mausoleum an den Narthex der Kirche S. Croce angebaut, die Galla ebenfalls hatte erbauen lassen. Damit wäre es eigentlich eher als (Grab-)Kapelle anzusprechen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die jüngere Kirche San Vitale.

Das Äußere des Gebäudes wirkt plump, der Boden liegt heute 1½ Meter unter dem normalen Straßenniveau. Der Grundriss ist kreuzförmig, 12,75 m lang, 10,25 m breit, die unteren Mauern sind mit Bögen und Wandpfeilern verziert und enthalten sieben lange schmale Fenster. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 4,40 m und wird von einem Ziegeldach überdacht.

Im Innern befinden sich prachtvolle Mosaiken, die die gesamte Fläche des Gewölbes und der zentralen Kuppel sowie die Wände an den Seitenenden der vier Flügel bedecken. Die Sockelzone besteht aus gelbem Marmor. Die Mosaiken sind in spätantiken Stil ausgeführt, besonders plastisch treten Figuren und Landschaftsausschmückungen hervor. Die Gliederung des Baues besteht lediglich aus Blendbögen und Lisenen, die hier zum ersten Mal in der Architekturgeschichte auftreten und später in der lombardischen Architektur häufig aufgegriffen wurden.

Deckenmosaik


Die Kirche war dem Hl. Laurentius geweiht, der mit dem Rost dargestellt ist, auf dem er den Märtyrertod starb.

Die Decke stellt ein tiefblaues Himmelsgewölbe geziert mit weiß-goldenen Sternen dar. Die Sterne in den Tonnengewölben gelten aufgrund ihrer besonderen Gestaltung als die schönsten Sternendarstellungen der Spätantike. Zu sehen sind ferner die Symbole der vier Evangelisten, acht in der Literatur in der Regel als Apostel angesprochene Figuren (darunter Petrus und Paulus), sowie ein jugendlicher bartloser Jesus in der Eingangslünette, der als guter Hirt seine Schafe weidet und eines liebevoll streichelt, während er gleichzeitig ein goldenes Kreuz hält, als Zeichen der Hoffnung und Symbol für die Überwindung des Todes. Christus wird in dieser Darstellung in der Literatur als "thronender Imperator" beschrieben (er hält das Kreuz wie ein Zepter; sein Pallium ist purpurn, was die Farbe der Kaiser war). Tauben und Hirsche laben sich an frischem Wasser, die Farben der Darstellung reichen von Blautönen über Gelb und Ocker zu Dunkel- und Hellgrün. Auffallend ist die Flächigkeit der Darstellung: die Schafe sind quasi "gestapelt", es gibt keine Überschneidungen.

In den Kreuzarmen des Mausoleums sind drei große Sarkophage aus griechischem Marmor aufgestellt, deren Zuweisung unsicher ist.

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