Dienstag, 26. Juli 2011

Le Corbusiers Modulor



Der Modulor (frz. Moduler für dt. Proportionsschema) ist ein vom Architekten und Maler Le Corbusier (1887–1965) in den Jahren 1942 bis 1955 entwickeltes Proportions-System und stellt den bedeutendsten modernen Versuch dar, der Architektur eine am Maß des Menschen orientierte mathematische Ordnung zu geben. Er steht damit in der Tradition von Vitruv.

Der 1948 veröffentlichte Modulor wird zu den bedeutendsten Schriften der Architekturgeschichte beziehungsweise Architekturtheorie gezählt. In Modulor 2 (erschienen 1955) erläutert Corbusier die Anwendung der Maßlehre, die er seinem gesamten architektonischen Schaffen zugrunde gelegt hat. Er wollte damit der Architektur wieder ein menschliches Maß und gleichzeitig eine objektive Ordnung geben.

Das System basiert auf den menschlichen Maßen und dem Goldenen Schnitt. Zuerst nahm Corbusier 175 cm, ab 1950 183 cm (entspricht sechs Fuß) als menschliches Maß an. Diese angenommene Standardgröße des menschlichen Körpers ist Ausgangswert einer geometrischen Folge von Maßen, die jeweils zueinander in der Proportion des Goldenen Schnitts stehen. Dies ist die sogenannte rote Reihe: .., 183, 113 (Bauchnabelhöhe), 70, 43, 27 cm, .. Durch Verdopplung der Werte der roten Reihe entsteht die blaue Reihe: .., 226 (Körpergröße mit ausgestrecktem Arm), 140, 86, 54 cm, ...


Die erste große Anwendung des Modulors findet man bei der Wohneinheit von Marseille (auch Unité d'Habitation à Marseille genannt), die vollständig nach Modulor-Maßen gebaut wurde. Weitere Wohneinheiten finden sich in Firminy, Briey-en-Forêt, Nantes sowie Berlin. Jedoch durfte in Berlin durch die Vorschriften des Sozialen Wohnungsbaus vielfach das Modulor-Maßsystem nicht verwendet werden – Le Corbusier zog sich anschließend aus diesem Projekt vollständig zurück. Das Maßsystem fand auch bei vielen anderen Entwürfen Corbusiers Anwendung. Es fand nach und nach weltweit eine hohe Verbreitung.

Eindrucksvolles Beispiel des Modulors findet sich im Kloster La Tourette. Dort existieren 100 Zellen für die dort wohnenden Mönche - jede dieser Zellen hat eine Raumhöhe von 2,26 m und eine Breite von 1,83 m.

Kritiker des Systems haben darauf hingewiesen, dass das von Corbusier angenommene Standardmaß der Höhe des menschlichen Körpers nicht auf anthropometrischen Beobachtungen basiert und daher der Verdacht aufkommen mag, es sei aus mathematischer Bequemlichkeit gewählt worden. Außerdem wird bemängelt, dass der weibliche Körper in Le Corbusiers Systematik keine Rolle spielt. Die Maße sind schwer zu merken. Dieser Fehler verflüchtigt sich etwas, wenn man als blaue Reihe einfach die Fibonacci-Folge 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, ... verwendet – dann wird die „Körpergröße“ in der roten Reihe (halbierte Fibonacci-Zahlen) zu 188,5 cm, so dass man hier lauter brauchbare Standard-Maße erhält: 44,5 cm Sitzhöhe, 72 cm Tischhöhe usw.

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