Donnerstag, 28. Juli 2011

Straßburger Münster





Das Liebfrauenmünster (frz. Cathédrale Notre-Dame) in Straßburg ist ein römisch-katholisches Gotteshaus und gehört zu den bedeutendsten Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte sowie zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Wie die Stadt Straßburg im Allgemeinen verbindet auch das Liebfrauen-Münster deutsche und französische Kultureinflüsse.

Das Münster wurde 1176 bis 1439 aus rosa Vogesensandstein an der Stelle eines abgebrannten Vorgängerbaus aus den Jahren 1015 bis 1028 errichtet, der seinerseits ein 1007 abgebranntes Gotteshaus aus karolingischer Zeit ersetzt hatte. Das neue Gebäude entstand zunächst im romanischen, dann im gotischen Stil. Von 1647 bis 1874 war das Münster mit seinem 142 Meter hohen Nordturm das höchste Bauwerk der Menschheit.

Quelle: Fotocommunity

Das Straßburger Münster ist mit seiner charakteristischen asymmetrischen Form (der Südturm wurde nie gebaut) bis heute das Wahrzeichen des Elsass und auch vom drei Kilometer entfernten deutschen Rheinufer, von den Vogesen und dem Schwarzwald aus sichtbar.

Das Straßburger Münster kennzeichnet sich durch die Koexistenz eines massiven, wuchtigen und gedrungenen romanischen Ostbaus im Stile der rheinischen Kaiserdome, mit einem Chor von geringer Tiefe und einem sehr weit hintangelegten, den Chor praktisch einrahmenden Querschiff, und eines Westbaus im blühendsten gotischen Stil, dessen aufwärtsstrebender Charakter in dem berühmten „Harfenmaßwerk“, einer Straßburger Erfindung, seinen Ausdruck findet. Durch im 18. Jahrhundert direkt hinter dem Münster erfolgten Anbau der gewaltigen Anlage des Grand séminaire ist der Blick auf die Apsis allerdings verwehrt, so dass diese nicht wie in Speyer oder Mainz eine Wirkung auf den Betrachter entfalten, die den Gegensatz zum steil aufragenden Turm noch steigern könnte.



Im Inneren wird das überdurchschnittlich breite, wenn auch nicht überdurchschnittlich hohe Mittelschiff gleichsam durch eine höhlenähnliche Wand und nicht, wie in rein gotischen Bauten wie den benachbarten Kathedralen von Freiburg und Metz, durch eine lichteinlassend und fensterreich konzipierte Chorpartie abgeschlossen. Dieser Eindruck wird durch die Abwesenheit sowohl des im 17. Jahrhundert abgerissenen Lettners als auch des anschließend errichteten, baldachinbekrönten Hochaltars verstärkt, die beide den Raum, anders als heute, teilten. Fragmente des Lettners werden heute im Musée de l’Œuvre Notre-Dame und in The Cloisters aufbewahrt; Apostelbüsten aus dunkel bemaltem Lindenholz vom ehemaligen barocken Hochaltar wurden 2006 entlang der Chorabschlusswand aufgestellt.

Im südlichen Querhaus befindet sich der “Engelspfeiler” oder “Weltgerichtspfeiler”. Um einen hohen Pfeiler finden sich in drei Etagen große Skulpturen. Seinen Namen hat der Engelspfeiler von den großen Figuren von Posaunenengeln in der mittleren Etage. In der obersten Etage ist Christus von Engeln umgeben, zu seinen Füßen, kaum zu erkennen, eine kleine Gruppe Auferstehender.

Ebenfalls im Musée de l’Œuvre Notre-Dame werden die Fassadenrisse der diversen Planungsstadien der Westfassade aufbewahrt. Sie gehören zu den ältesten Architekturentwürfen im deutschsprachigen Raum. Die Westfassade, 1277 begonnen, zeigt eine Dreiportalgliederung, die Portale mit breiten Gewänden und hohen, mit Fialen besetzten Wimpergen, beim Mittelportal bis ins mittlere Geschoss reichend, wo die große Fensterrose anschließt. Vor das Mauerwerk der Westfassade wurde ein freistehendes Gerüst dünner Stäbe und maßwerkverzierter Bögen gesetzt, das wegen der Ähnlichkeit mit Harfensaiten, wie schon erwähnt, als „Harfenmaßwerk“ bezeichnet wird und welches wesentlichen Anteil an der ungewöhnlichen Wirkung der Fassade hat.

Im Gegensatz zu den meisten Kathedralen weist das Straßburger Münster nur eine geringe Zahl von Kapellen auf: nördlich des Langhauses die Laurentiuskapelle (15. Jahrhundert), südlich die Katharinenkapelle (14. Jahrhundert), östlich vom nördlichen Querschiff die Johannes-der-Täufer-Kapelle (13. Jahrhundert), östlich vom südlichen Querschiff die Andreaskapelle (12. Jahrhundert). Die in deren Nähe befindliche Sakristei wurde 1744 vom Stadtarchitekten Joseph Massol angefügt.

Blick in die Apsis

Zu den gestalterischen und überhaupt künstlerischen Höhepunkten des Münsters gehören die fünf Portale: Das zweiteilige romanische Portal des südlichen Querhauses, die drei gotischen Portale der Westfassade und das Renaissance-Portal des nördlichen Querhauses.

Thema des Tympanons des Mittelportals der Westfassade ist die Passion Christi, darunter alttestamentliche Motive. Im Tympanon des linken, nördlichen Portals Szenen aus der Kindheit Jesu, an den Seiten allegorische Statuen der Tugenden. Die Statuen des rechten Portals stellen das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen dar. Ungewöhnlich hier die Figur des „Fürsten der Welt“, dessen Rücken von ekelerregendem Getier bedeckt ist.

Das Portal des südlichen Querhauses ist berühmt für seine die im frühen 13. Jahrhundert entstandenen ausdrucksstarken Tympana der „Marienkrönung“ und „Marientod“ sowie die Gruppe „Ecclesia und Synagoge“ (Originale im Musée de l’Œuvre Notre-Dame), die eine Darstellung König Salomos und seines Urteils umrahmt, darüber befand sich früher eine Halbfigur Jesu als Weltenherrscher, in den Gewänden waren die zwölf Apostel. Das Portal wird überragt von einer großen „Madonna mit Kind“, die sich unter einer Uhr befindet. In den Gestalten der Ecclesia und der Synagoge hat ein Pauluszitat (2 Kor 3) eine steinerne Ausformung gefunden: Die weibliche personifizierte Kirche, erhobenen Hauptes und mit Herrscherstab in der Hand, steht der ebenfalls weiblichen Synagoge gegenüber. Diese jedoch gebeugt mit einer Binde vor den Augen und die Lanze in der Hand vierfach gebrochen.

„Zwischen Paulus und diesen beiden Frauenskulpturen liegen die Schmähpredigten der Kirchenväter und über ein Jahrtausend der Entrechtung, Erniedrigung und Demütigung der Juden.“

Das Münster weist insgesamt fünf Rosetten auf: jeweils zwei kleine an der äußeren Wand der Querschiffe und eine große über dem Hauptportal der Westfassade.

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