Dienstag, 26. Juli 2011

Französische Kirche in Potsdam



Die Französische Kirche in Potsdam ist ein Spätwerk des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Im Edikt von Potsdam (1685) hatte der Große Kurfürst den aus Frankreich vertriebenen Hugenotten eine neue Heimat in Preußen angeboten. 1752/53 wurde die Kirche für die allmählich wachsende französisch-reformierte Gemeinde Potsdams errichtet. Seit der starken Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg ist sie die älteste erhaltene Kirche im historischen Stadtgebiet.

Die Kirche entstand am südöstlichen Rand des heutigen Bassinplatzes, einem Gelände zwischen Holländischem und Französischem Viertel. Das Terrain war sumpfig und gehörte erst seit 1733 zum Stadtgebiet. Zwischen 1737 und 1739 ließ der holländische Baumeister Jan Bouman es durch die Anlage eines Sammelbeckens, des Holländischen Bassins, trockenlegen. Trotzdem blieb der Kirchenbau auf schwer kalkulierbarem Untergrund eine technische Herausforderung. Zuverlässiger Baugrund fand sich erst in einer Tiefe von knapp sechs Metern, die Baugrube musste aufwändig gesichert werden. Eine Kalksteinschicht dicht unter der Erdoberfläche sollte verhindern, dass Feuchtigkeit in das Gebäude aufstieg.

Entwurf und Planung der Kirche gehen zurück auf Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, den viel beschäftigten Architekten Friedrichs des Großen. Zu Baubeginn war er bereits schwerkrank. Jan Bouman leitete die Ausführung des Projektes. Thematisches Vorbild für das Gebäude war das Pantheon in Rom, ein Zentralbau mit Kuppel und Portikus, dessen Merkmale Knobelsdorff in allen Proportionen und Details souverän variiert hatte. Die Grundform der Kirche ist ein Oval, die Innenmaße betragen 19,83 m bzw. 15,23 m; das Mauerwerk ist 1,65 m stark, am Sockel mit Sandstein verblendet, darüber verputzt. Die relativ flache Kuppel ist frei schwingend gemauert, sie wurde von Karl Friedrich Schinkel, dem berühmten Architekten des preußischen Klassizismus, noch 80 Jahre später als statisch sehr gewagt beurteilt. In den Nischen neben dem Eingang stehen zwei überlebensgroße allegorische Figuren des Bildhauers Friedrich Christian Glume: Caritas (Liebe, Wohltätigkeit) und Spes (Hoffnung). Nach Maßgabe der französisch-reformierten Gottesdienstordnung war das schmucklose Innere auf die Mitte des Raumes ausgerichtet, durch eine umlaufende Holzempore wirkte es wie ein Amphitheater. Die Farbe der Wände war ein im Barock beliebtes Altrosa, die des Gestühls wahrscheinlich Weiß. Die Fenster waren farblos verglast.

Im 19. Jahrhundert erhielt K. F. Schinkel den Auftrag zur Umgestaltung des Innenraumes. In der Zwischenzeit waren mehrfach Reparaturen nötig geworden. Putz- und Steintrümmer waren aus der Kuppel in den Kirchenraum herabgefallen, während der napoleonischen Besetzung von 1806 bis 1808 diente der Innenraum als Magazin der Kavallerie und wurde weitgehend verwüstet. Schinkel fand das Gestühl angefault und wurmstichig vor, die Fenster zum Teil vernagelt, den Ziegelboden gefährlich uneben. Während des Umbaues zwischen 1832 und 1834 behandelte er die Vorleistung Knobelsdorffs mit großem Respekt. Den gewünschten Anbau einer Sakristei lehnte er ab, um den Baukörper nicht zu entstellen. Der schlichte Gesamteindruck des Innenraumes blieb erhalten. Allerdings konzipierte er eine Kanzelwand und gab dadurch dem Kirchenraum eine eher frontale Ausrichtung. Durch eine zweite Empore wurde die Zahl der verfügbaren Plätze mehr als verdoppelt. Helle, grau-grünliche Töne bestimmten den Farbeindruck.

Bald traten neue Schäden durch Schwammbefall auf. 1856/57 wurde die Kirche geschlossen und saniert, die dominierenden Farben der Ausstattung waren nun Dunkelbraun mit Schwarz. 1881 musste die Kirche für Reparaturarbeiten abermals geschlossen werden, dieses Mal für zwei Jahre. Danach war das Erscheinungsbild der Ausstattung wiederum wesentlich verändert. Diese Modernisierung nach dem Geschmack der wilhelminischen Epoche brachte unter anderem Stuckkassetten und Rosetten in Blau, Rot und Gold in der Kuppel und eine farbige Verglasung der Fenster. Die Kanzelwand wurde durch Schmuckelemente und ein Kreuz ergänzt.

In den 1920er Jahren wurde eine Reihe der letzten Veränderungen zurückgenommen. Die Farbgestaltung von Kanzelwand, Emporen und Gestühl näherte sich wieder der Schinkel´schen Fassung an. Absenkungen durch Veränderung des Grundwasserspiegels erzwangen neue bauliche Maßnahmen.

Ein Bombenangriff während des Zweiten Weltkrieges - am 14. April 1945 - zerstörte beinahe das ganze Französische Viertel. Die Französische Kirche blieb nahezu unversehrt, nur die Fenster mussten - zunächst provisorisch - erneuert werden. Allerdings ergaben sich kriegsbedingte Folgeschäden. Durch Risse in der Kuppel trat Wasser ein, Putz stürzte in den Kirchenraum, auch der Außenputz war fehlerhaft. Die provisorischen Fenster waren bald undicht. Notwendige Sicherungsmaßnahmen unterblieben, weil die kleine Gemeinde sie nicht finanzieren konnte und staatliche Mittel seitens der DDR nicht zu bekommen waren. Mitte der 1960er Jahre wurde die Kirche wegen Baufälligkeit gesperrt.

Mit finanzieller Anschubhilfe einer Pressestiftung, durch privat eingeworbene Spenden und durch öffentliche Fördergelder konnte die Französische Kirche seit 1990 schrittweise wieder hergestellt werden. Abschließend wurden 2003 die provisorischen Fenster der Nachkriegszeit ersetzt und die restauratorischen Arbeiten an der Farbfassung des Innenraumes beendet.



Hugenottische Traditionen in der Französischen Kirche von Potsdam

In Frankreich waren die Protestanten, Hugenotten genannt, bestenfalls geduldet. Ihre evangelischen Gotteshäuser durften sie meist nur außerhalb der Stadtmauern errichten, und auch dort nur ohne die typischen Kirchenmerkmale Glocken und Turm. Bis heute heißen die evangelischen Kirchen in Frankreich „temple“ im Unterschied zu den katholischen Kirchen mit der Bezeichnung „eglise“. Die Französische Kirche in Potsdam ist ganz im Stil dieser „Tempel“ in der französischen Heimat gebaut.

Da die Potsdamer Kirche von Anfang an als reformierter Kirchenbau entworfen wurde, spiegeln sich die reformierten Vorstellungen auch im Innenraum wider. Wesentliche Elemente des reformierten Gottesdienstes sind die Gemeinde, die Bibel, eine Kanzel und der Abendmahlstisch. Taufkanne und Taufschale ersetzen den Taufstein und werden bei Bedarf auf dem Abendmahlstisch platziert. Andere Kennzeichen, die man üblicherweise in Kirchen findet, wie Altar, Kerzen, Kreuz, Kruzifix oder Bilder fehlen dagegen, da sie vom Eigentlichen ablenken oder nicht dem zweiten Gebot (Bilderverbot) entsprechen. Der Innenraum der Französischen Kirche beeindruckt deswegen durch seine elegante Schlichtheit.





Schrägansicht



In diesem Raum kann der Gottesdienst in seiner ursprünglichen Form gefeiert werden: Der Raum ist auf die Mitte hin orientiert. Diese Mitte ist leer; die Leere ist das Besondere, das „Heilige“. Die Gemeinde versammelt sich im Kreis um diese Mitte. Dadurch wird die Gleichberechtigung aller Gemeindemitglieder, ob Priester oder Laien, zum Ausdruck gebracht. Auch der Abendmahlstisch, auf dem stets die Bibel liegt, steht frei, so dass sich alle um ihn herum versammeln können. Die Kanzel hat in erster Linie einen praktischen Zweck: wenn die Empore besetzt ist, kann die predigende Person von allen gut gehört und gesehen werden.

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