Mittwoch, 27. Juli 2011

Dom von Orvieto




Durch die Lage der Stadt ist das wichtigste Gebäude, der Dom mit dem Patrozinium Maria Himmelfahrt, schon von Weitem zu erkennen. Anlass, den Dom zu bauen, war das Blutwunder im nahe gelegenen Städtchen Bolsena im Jahr 1263, bei dem aus einer Hostie während der Wandlung Blut getropft sein soll. Dieses Blutwunder bildete die Grundlage des Fronleichnamsfestes. In einer Seitenkapelle des Doms wird das mit dem Blut getränkte Altartuch als Reliquie aufbewahrt. Des Weiteren findet sich im Gebäude das Meisterwerk Luca Signorellis (1445/50-1523): das Fresko des Jüngsten Gerichts aus dem Jahre 1499.

Der Dom gehört zu der großen Anzahl bedeutender Bauwerke, die im ausgehenden 13. Jhd. geplant wurden. Er wurde 1288 wahrscheinlich unter Arnolfo di Cambio (1240-1302) begonnen, der einige Jahre später den Dom und den Palazzo Vecchio von Florenz bauen sollte. 1308 war der Rohbau ohne Dach und Fassade fertig. Die wurde nach Zeichnungen von Lorenzo Maitani im 14. Jhd. vollendet.

Die Datierung der Fassade wird in der Wissenschaft zwischen 1290 und 1310 hin und her geschoben. Eine genaue Datierung ist bedeutend, um auf eine mögliche Abhängigkeit von Siena zu schließen. Eine neuere Untersuchung belegt eine Datierung auf die Jahre vor 1300.

Orvieto und seine Bauhütte nahmen auf die klassisch-römische Bildhauerei Bezug: in der ersten Phase auf hadrianisch-konstantinische Werke, in der zweiten auf die durch den Namen von Lorenzo Maitani verkörperte Phase der Bildhauerei der Trajanssäule in Rom. Die vorbildliche Funktion der klassischen Hauptstadt erklärt sich u. a. auch durch das Interesse der Päpste am Bau der Kathedrale von Orvieto, wie sie sich durch Jahrzehnte belegen lässt. Manches Widersprüchliche an den Fassadenreliefs lässt sich durch die Einwirkung östlicher Ikonographie erklären.

Kathedrale, Innenansicht


Dementsprechend hängt diese Fassade auch weniger von Siena ab, sondern es lassen sich Beziehungen zum nordalpinen Raum nachweisen, die nach Straßburg führen. Meister aus dem Norden haben nachweislich auch in Orvieto gearbeitet. Auch hier wurde also - wie schon in Siena - mit Skulpturen nach französischem Vorbild gearbeitet, jedoch mit größerer Betonung der Fläche, wie es der italienischen Tradition und besonders der umbrischen eher entspricht. Dekoriert ist die Fassade daher nur mit Flachreliefs und Mosaiken, die die glatte Fläche möglichst undurchlässig bleiben lassen.

Die einzelnen Dekorationen der Fassade sind sehr zartgliedrig gearbeitet. Die Fensterrose des 14. Jahrhunderts (1354 von Andrea Arcagna) ist an den oberen Seiten von einem Skulpturenfries umzogen, der aber nicht so plastisch hervortritt wie in Siena und der streng in die geometrische Rechteckform eingebunden ist, wie es auch in Assisi zu sehen ist.


  •     1354–1366: Rose (Andrea Orcagna)
  •     1373–1380: seitliche Fassadengiebel
  •     1513–1532: mittlere Fassadengiebel
  •     Ende 16.–17. Jhd.: Fassadentürme und Mosaiken

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