Dienstag, 26. Juli 2011

Die Neue Wache, Berlin (Schinkel)




Die Neue Wache ist das Gebäude der ehemaligen Haupt- und Königswache neben dem Berliner Stadtschloss und dient heute als Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Berlin. Das Gebäude steht im Berliner Ortsteil Mitte an der Straße Unter den Linden.

Unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. wurde die Neue Wache zwischen 1816 und 1818 als Wachhaus für die Wache des Königs und Gedenkstätte für die Gefallenen der Napoleonischen Kriege errichtet. Der erste Wachaufzug mit klingendem Spiel vor der Neuen Wache erfolgte am 18. September 1818 anlässlich des Besuchs von Zar Alexander von Russland durch das Alexander-Regiment. Die Neue Wache diente bis zum Jahr 1918, dem Ende der Monarchie, als „Haupt- und Königswache“. Im Jahr 1931 gestaltete Heinrich Tessenow das Gebäude zu einem Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges um.


Neue Wache um 1900


Nach der fast völligen Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude 1960 nach dreijährigen Wiederaufbauarbeiten unter Heinz Mehlan als Mahnmal für die Opfer des Faschismus und Militarismus neu eingeweiht. Bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 standen tagsüber zwei Soldaten des Wachregiments Friedrich Engels als Ehrenwache vor der Neuen Wache. Jeden Mittwoch und Samstag um 14:30 Uhr zog eine Ehrenformation des Wachregiments zum „Großen Wachaufzug“ auf.

Seit dem Volkstrauertag 1993 dient die Neue Wache als Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Am Volkstrauertag wird vom Wachbataillon eine Ehrenwache für das Gebäude gestellt.

Der Entwurf der Neuen Wache, eines der Hauptwerke des deutschen Klassizismus, stammt von Karl Friedrich Schinkel. Schinkel gelang es, dem Gebäude trotz seines relativ kleinen Baukörpers mittels klarer Formen, wuchtiger Eckrisalite und durch einen streng dorischen Säulenportikus eine Monumentalität zu verleihen, dank der es der Wucht in der Nähe liegender Gebäudekomplexe wie der Universität oder des Zeughauses standzuhalten vermag. Auf dem Giebelfeld des Portikus ist die schlachtlenkende Siegesgöttin zu sehen. Das Giebelfries ist als mehrteiliger Zinkguss gefertigt. Um wie Sandstein zu wirken, ist das Fries mit einem sandsteinimitierenden Anstrich – einer sogenannten „Sandelung“ – versehen.

Seit 1931 befand sich im Inneren, aus dem Tessenow Innenwände und Zwischendecken entfernt hatte, auf einem zwei Meter hohen Sockel aus schwarzem Granit einen Eichenkranz aus Silber mit Gold- und Platinauflagen des Bildhauers Ludwig Gies. Oft ist auch von einem „Lorbeerkranz“ die Rede, was sich aber wohl nur auf dessen symbolischen Gehalt bezieht. Der Kranz ist heute im benachbarten Deutschen Historischen Museum ausgestellt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Neue Wache weitgehend zerstört und bis 1960 restauriert. Aus Anlass des 20. Jahrestages der Gründung der DDR 1969 wurde sie nach einem Entwurf von Lothar Kwasnitza umgestaltet. Der Granitblock wurde durch eine Ewige Flamme in einem Glasprisma ersetzt. Zeitgleich wurden die sterblichen Überreste eines unbekannten KZ-Häftlings und eines unbekannten Soldaten in der Neuen Wache beigesetzt.

Im rekonstruierten weitläufigen Innenraum des Gebäudes befindet sich seit 1993 auf Anregung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl die von Harald Haacke auf rund 1,6 Meter Höhe vergrößerte Kopie der Skulptur Mutter mit totem Sohn von Käthe Kollwitz, auch Pietà genannt. Vor der Skulptur ist der Schriftzug „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ in den Boden eingelassen.

Die Ankündigung Kohls, dass die Pietà von Käthe Kollwitz für das Mahnmal gewählt werden solle, löste eine heftige Kontroverse aus. In der Zeit stellte Reinhart Koselleck die Angemessenheit der Kollwitz-Skulptur infrage, weil diese sowohl Juden als auch Frauen, „die beiden größten Gruppen der unschuldig Umgebrachten und Umgekommenen des Zweiten Weltkrieges“, ausschließe: „Ein doppelter Mißgriff mit Folgen, die sich aus einer deshalb auch ästhetisch zweitrangigen Lösung zwingend ergeben. Der Denkfehler gebiert ästhetische Mißgestalten.“

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