Donnerstag, 28. Juli 2011

Kathedrale von Canterbury





Die Kathedrale von Canterbury in Canterbury, England ist mit ihrem 75 m hohen Turm, dem so genannten Bell Harry, ein meisterhaftes Bauwerk der Gotik. Die Kathedrale gehört zusammen mit der Abtei St. Augustinus und der St.-Martins-Kirche seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Ab 1175 erfolgte der Neubau durch Wilhelm von Sens mit Steinen aus Caen (Ostabschluss)- Beginn der Gotik in England.

Im ersten Jahr seiner Tätigkeit in Canterbury wurde der alte Chor abgerissen. Im zweiten Jahr entwickelte Wilhelm die Vorbilder zum Formen der Steine, die aus seiner Heimat über den Kanal transportiert wurden, und er kümmerte sich um die Arbeitsgeräte (Winden etc.). Die Steine wurden deshalb mühsam und aufwändig aus Frankreich geholt, weil geeignete Steinbrüche in Südengland erst später entdeckt wurden. Der eigentliche Baubeginn fand erst nach 5. September 1177 statt. Die ganze Aufmauerung des gotischen Chors erfolgte in zwei Jahren. Dann passierte 1178 ein schweres Unglück: Wilhelm stürzte von einem Baugerüst.

Sein Nachfolger wurde William the Englishman (1179–1184). Er führte zwar die Pläne Wilhelms weiter, ging dabei aber seltsame Kompromisse ein, die dem gesamten Ostteil der Kathedrale von Canterbury ein völlig einmaliges Aussehen verleihen. So gibt es beispielsweise an der Stelle des alten Chorabschlusses eine Verschmälerung des Mittelschiffes, die auch noch leicht schräg ist. Das Chorhaupt, die Trinity Chapel weist wahrscheinlich die ersten frühgotischen Formen in England auf. Es existieren deutliche Ähnlichkeiten zur Kathedrale von Sens, wo Wilhelm hergekommen war (Zwillingssäulen!).


Hauptschiff der Kathedrale

Im Nordflügel des östlichen Querhauses wurden vor die romanische Mauer zwei gotische Blendenreihen gesetzt, die entfernt an Triforien erinnern. Grundgedanke bei dieser Konstruktion war es wohl, die romanischen Fenster beizubehalten und in die neue gotische Gliederung einzubeziehen.

1184 wurde die Chorscheitelkapelle gewölbt, um einen kostbaren Schrein mit den Gebeinen des heiliggesprochenen Thomas Becket aufnehmen zu können. Der Raum wird heute Corona oder Becket’s Crown genannt. Hier werden heute die Heiligen und Märtyrer unserer Zeit verehrt. Der Schrein des Heiligen Thomas war 1220 hier aufgestellt worden. Heinrich VIII. ließ ihn 1538 zerstören und seine Schätze plündern. 1642 gab es hier Verwüstungen durch die Puritaner. Erhalten sind aus dem 13. und 14. Jahrhundert einige Glasfenster.

Ab 1378 bis 1410 wird das alte romanische West-Langhaus zusammen mit dem westlichen Querhaus neu gebaut. Begonnen wird damit unter Erzbischof Simon von Sudbury (1375–1381), durchgeführt unter Prior Chillenden (1390–1411). Das Langhaus wird in der Literatur gelobt als „einer der edelsten, einheitlichsten, ruhevollsten Räume der englischen Spätgotik“ (Hürlimann, S. 14). Die reiche steinerne Chorschranke stammt aus der gleichen Zeit. Sie ahmt eine ältere Chorschranke von 1304 nach und steht daher stilistisch eher dem Decorated Style nahe und nicht dem Perpendicular.

Ebenfalls gleichzeitig wird eine Verstärkung des Vierungsturmes durchgeführt, und zwar im Innenraum durch sogenannte Maßwerkbrücken, die in halber Raumhöhe auf allen vier Seiten angebracht wurden. Das Fächer-Gewölbe innen und die Aufstockung außen erhält der Vierungsturm unter Prior Goldstone (1495–1503). Man hat diesem markanten Turm über dem westlichen Querhaus mehrere Namen gegeben: Engelsturm (Angel-Steeple) oder Bell Harry.

Um 1405 war das Perpendicular-Gewölbe im Hauptschiff vollendet.

1396–1420 wurde auf der Nordseite des Langhauses der Kreuzgang mit dem rechteckigen Kapitelsaal angelegt.

Der südliche Westturm kam in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hinzu, der nördliche erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die im Südwesten gelegene Vorhalle, das Christ-Church-Gate, wurde 1505 errichtet.

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