Donnerstag, 28. Juli 2011

Bergen - Stabkirche Fantoft





Die Stabkirche Fantoft (oder Stabkirche Fortun) im Bergener Stadtteil Fantoft ist heute ein Nachbau der ehemaligen Stabkirche von Fortun, einem kleinen Dorf an einem Seitenarm des Sognefjords in Norwegen.

Errichtet wurde die Stabkirche wahrscheinlich im frühen 13. Jahrhundert in der Art der dreischiffigen Säulenstabkirchen. Sie diente zwischen ihrer Erbauung und ihrem Abbruch als Gemeindekirche für einige Höfe mit jeweils ca. 15–30 Bewohnern (freie Bauernfamilien und Gesinde) im Fortundalen. Diese Zahl schwankte, hauptsächlich bedingt durch regelmäßige Epidemien, die Norwegen über einen Zeitraum von 200 Jahren etwa alle zehn Jahre in größerem oder kleinerem Ausmaß heimsuchten. Die erste dieser Epidemien, die Pest von 1349/50, raffte etwa die Hälfte der norwegischen Bevölkerung dahin und verwaiste ganze Landstriche. Zwischen 1349 und 1562 ist keine Bevölkerung in der Umgebung nachzuweisen und es wird davon ausgegangen, dass die Kirche über einen Zeitraum von ca. 150 Jahren in Vergessenheit geriet. Nach der Neubesiedelung des Tals muss sie bis ca. 1650 weitgehend unberührt gestanden haben. Seit der Einführung der Reformation in Norwegen im Jahr 1536 war die Kirche offiziell evangelisch-lutherisch. Zwischen 1650 und 1700 wurden dann weitreichende Veränderungen vorgenommen, so wurde z. B. ein Turm hinzugefügt, ein Himmel (zur Verbesserung der internen Temperaturverhältnisse im Winter) versperrte den Blick auf die Dachkonstruktion, und auch der Chor wurde komplett erneuert. Um 1700 wurde das Kirchenschiff von innen bemalt.

Kirchenschiff zum Chor

Die Giebel waren mit Drachenköpfen geschmückt und das Dach war mit dreifach gebranntem Kiefernharz geteert, um den Witterungseinflüssen besser standzuhalten. Die Kirche umgab ein Laubengang, ein halb offener Umgang, der Schutz vor Wind und Wetter bot und schon früher als allgemeiner Treffpunkt fungierte.

Die Kirche ist eine Sechzehn-Mast-Stabkirche, wobei die mittleren Masten der beiden Schmalseiten des Schiffs von der unteren Balkanzangen abgefangen werden. Das Kircheninnern ist schmal. Der Chor hat vorne bei der Apsis und im ersten Drittel je zwei Masten. Von den Masten im Chordrittel geht die kniehohe Balustrade hervor, die sich als Halbkreis durch das zweite Drittel durch den Chor zieht. Im Gegensatz zum Plan besteht zwischen den Masten der Apsis und der Chormasten in der neuen Kirche keine Balustrade.

Die Dachkonstruktion der Kirche ist sechsstufig und nach dem Vorbild der Stabkirche Borgund mit zwei Stufen Pultdächern, die gleichzeitig das Schiff und den Chor bedecken. Im Gegensatz zu dem Vorbild in Borgund liegt das obere Pultdach auf dem unteren, so dass keine Wand mehr dazwischen zu sehen ist und sieht so aus wie die Stabkirche Hopperstad. Das untere Pultdach hat einen flacheren Winkel. Auf den Pultdächern folgt eine Stufe mit einem Satteldach. Das Schiff und der Chor tragen je ein unterschiedlich hohes Satteldach. Auf dem Satteldach des Schiffes ist ein dreistufiger Dachreiter mit einem Pultdach und zwei Stufen Pyramidendächern angebracht. Dieser mehrfache Aufbau mit immer kleiner werdenden Dächern lässt die Kirche durch eine optische Täuschung höher erscheinen, als sie tatsächlich ist. Damit sollte vermutlich die Ausrichtung des Gebäudes gen Himmel und somit ins Göttliche betont werden.

Die Apsis besteht aus drei Stufen aus Kegeldächern, wobei die unteren zwei Stufen durch die Konstruktion ähnlich den Pultdächern des Schiffes gekappt sind und aufeinanderliegen und auf der Westseite durch den Chor abgeschnitten sind. Darauf folgt ein rundes Türmchen mit Kegeldach.

Chor mit der Balustrade und der Orgel auf der linken Seite

Das Westportal hat wie die Stabkirche Borgund und die Stabkirche Gol ein doppeltes Satteldach. Da der Laubengang bei den Längsseiten gerade weiterläuft, hat das Nordportal nur ein einfaches Satteldach. Das südliche Chorportal hat keinen zusätzlichen Dachaufbau. Es fehlt ein Südportal im Schiff, womit die Kirche kein symmetrisches Äusseres besitzt. Die Giebel der Satteldächer der Schiffportale tragen Kreuze. Der Apsisturm und das Satteldaches des Chores tragen ebenfalls je ein Kreuz. Das Kreuz ders Apsistürmchen steht auf einer hölzernen Kugel. Auf den beiden Satteldächern des Schiffes befinden sich in Ost- und Westrichtung die für Wikingerschiffe typischen züngelnden Drachenköpfe. Im Gegensatz zu anderen Stabkirchen mit Drachenköpfen, wurden die Hälse mit Dachschnindeln verkleidet. Die Firsten der Satteldächer tragen eine Verzierung. Das Ortganggesims der Satteldächer ist wellenartig un hat zuunterst angebrachte Drachenfiguren, wie das von der Stabkirche Hopperstad übernommen wurde. Die vielen Kreuze und Figuren könnten die gleiche apotropäische Funktion zur Abwehr des Dämonischen erfüllen wie die Wasserspeier an Steinkirchen.

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